Vergiftung vermutet? Nicht abwarten – Tierarzt oder Tierklinik direkt anrufen.Notfall-Ablauf
Etiketten ohne Marketing-Mythen

Hundefutter-Deklaration verstehen

Was Zusammensetzung, analytische Bestandteile und Zusatzstoffe wirklich aussagen – und welche Qualität sich vom Etikett allein nicht ablesen lässt.

Kurzantwort

Ein Hundefutter-Etikett zeigt Zweck, Zusammensetzung, analytische Bestandteile, Zusatzstoffe und Fütterungshinweise. Es kann wichtige Warn- und Vergleichssignale liefern, beweist aber weder die Verdaulichkeit noch die Qualität des Endprodukts.

Das Wichtigste

  • Für die Hauptfütterung zuerst auf „Alleinfuttermittel“ und die passende Lebensphase achten.
  • Nass- und Trockenfutter nur auf Trockensubstanz vergleichen.
  • Ein hoher Fleischanteil oder eine lange Zutatenliste ist kein Nachweis für Bedarfsdeckung.
  • Herstellerkompetenz, Qualitätskontrolle und Nährstoffanalyse sind wichtiger als Werbewörter.

Ein Hundefutter-Etikett in fünf Bereichen lesen

Dieses vereinfachte Beispiel ist fiktiv: kein echtes Produkt, kein Rezept und keine vollständige rechtliche Kennzeichnungsvorlage.

Futtermittelart
„Alleinfuttermittel für ausgewachsene Hunde“

Hier stehen Verwendungszweck und Zielgruppe. Nicht mit dem Produktnamen verwechseln.

Zusammensetzung
„Huhn, Reis, …“

Das ist die Zutatenliste. Sie ist etwas anderes als die Nährstoffanalyse.

Analytische Bestandteile
„Rohprotein 24 %, Rohfett 14 %, Rohfaser 3 %, Rohasche 7 %, Feuchte 10 %“

Rechenbeispiel: 24 ÷ 90 × 100 = 26,7 % Rohprotein in der Trockensubstanz. Das allein ist keine Qualitätsnote.

Zusatzstoffe
„Ernährungsphysiologische Zusatzstoffe: …“

Ein eigener Kennzeichnungsbereich, etwa für zugesetzte Vitamine oder Spurenelemente. Mengen und Einheiten genau lesen.

Gebrauch & Rückverfolgbarkeit
„Fütterungshinweise, Charge, Mindesthaltbarkeit, Herstellerkontakt“

Diese Angaben helfen bei Portionierung, Rückfragen und der Zuordnung einer Packung.

Grundlagen: EU-Verordnung 767/2009 und FEDIAF zur Etikettenkennzeichnung. Lesebeispiel ergänzt am 27. September 2026.

Zusatzstoffe sind nicht die analytischen Bestandteile

Die Analyse beschreibt Bestandteile des fertigen Futters. Die Zusatzstoffliste nennt deklarierte zugesetzte Stoffe, beispielsweise Vitamine oder Spurenelemente. Sie ist deshalb keine vollständige Nährstoffanalyse. Aus der Länge dieser Liste lässt sich keine Qualitätsnote ableiten.

Beleg: EU-Verordnung 767/2009, Anhang I Nr. 6 und Kennzeichnungsvorgaben.

Was Sie zusätzlich zur Zutatenliste beim Hersteller prüfen können

Kostenloser Etiketten-Decoder

Trocken- und Nassfutter fair vergleichen

Tragen Sie die analytischen Bestandteile der Packung ein. Der Rechner rechnet sie auf Trockensubstanz um und schätzt die stickstofffreien Extraktstoffe rechnerisch. Er bewertet weder Bedarfsdeckung noch Produktqualität.

Feuchtigkeit nicht angegeben? Nicht 0 % eintragen, sondern den Wert beim Hersteller erfragen. Alle Felder benötigen eine bekannte Angabe.

Beispiel: Zwei Futtermittel mit 10 % Rohprotein sind nicht direkt vergleichbar, wenn eines 78 % und das andere 10 % Wasser enthält.

Formelhinweis: Prozent der Trockensubstanz = deklarierter Wert ÷ (100 − Feuchtigkeit) × 100. Die NfE werden als Differenz geschätzt und sind kein Laborwert.

Welche Angaben gehören auf die Packung?

Der erste Blick gilt nicht dem Werbeslogan, sondern der Zweckbestimmung und den gesetzlich geregelten Pflichtangaben.

  • Futtermittelart, etwa Allein- oder Ergänzungsfuttermittel
  • Tierart beziehungsweise Zielgruppe und Gebrauchshinweise
  • Zusammensetzung und deklarierte Zusatzstoffe
  • Analytische Bestandteile wie Rohprotein und Rohfett
  • Fütterungsempfehlung, Nettomenge, Charge und Haltbarkeit
  • Verantwortliches Unternehmen und Kontaktmöglichkeit

Beleg: EU-Verordnung 767/2009 · FEDIAF

Was sagt die Zusammensetzung aus?

Sie beschreibt eingesetzte Futtermittel-Ausgangserzeugnisse, nicht automatisch deren Nährwert, Verdaulichkeit oder Qualität nach Verarbeitung.

Zutaten können einzeln oder in rechtlich zulässigen Kategorien angegeben werden. Prozentangaben sind insbesondere relevant, wenn eine Zutat durch Wort oder Bild hervorgehoben wird. Die häufig verwendeten Begriffe „offene“ und „geschlossene Deklaration“ sind praktische Beschreibungen, aber kein Qualitätssiegel.

Auch eine sehr detaillierte Liste kann ein ungeeignetes Nährstoffprofil nicht ausschließen. Umgekehrt ist eine Kategorienennung allein kein Beweis für minderwertige Rohstoffe.

Beleg: EUR-Lex · WSAVA

Rohprotein, Rohfett, Rohfaser und Rohasche

Diese Laborgruppen beschreiben Anteile des Futters – nicht automatisch die Qualität oder biologische Verfügbarkeit der enthaltenen Nährstoffe.

Analytische Bestandteile richtig lesen
AngabeWas sie beschreibtWas sie nicht beweist
RohproteinStickstoffhaltige Verbindungen im AnalyseverfahrenAminosäureprofil und Verdaulichkeit
RohfettIm Verfahren extrahierbare Fette und fettähnliche StoffeFettsäuremuster und tatsächliche Energiedichte
RohfaserBestimmter, methodisch erfasster FaseranteilGesamte Ballaststoffmenge und Fermentierbarkeit
RohascheMineralischer Rückstand nach VeraschungDass dem Futter „Asche zugesetzt“ wurde

Beleg: EU-Verordnung 767/2009, Anhang VII

Warum die Trockensubstanz zählt

Wasser verdünnt alle Prozentangaben. Erst nach dem Herausrechnen der Feuchtigkeit werden unterschiedlich feuchte Futtermittel sinnvoll vergleichbar.

Ein Nassfutter mit 10 % Rohprotein und 78 % Feuchtigkeit enthält rechnerisch rund 45,5 % Rohprotein in der Trockensubstanz. Der Aufdruck „10 %“ ist daher nicht direkt mit 25 % Rohprotein eines Trockenfutters vergleichbar.

Die belastbare Etiketten-Checkliste

  1. Zweck: Alleinfutter oder Ergänzungsfutter?
  2. Zielgruppe: Passt die Lebensphase?
  3. Energie: Ist kcal pro 100 g oder pro kg verfügbar?
  4. Vergleich: Werte bei Bedarf auf Trockensubstanz umrechnen.
  5. Hersteller: Wer formuliert, kontrolliert und beantwortet Fachfragen?
  6. Hund: Gewicht, Körper- und Muskelzustand sowie Verträglichkeit im Verlauf prüfen.

Für die vollständige Herstellerauswahl nutzen Sie zusätzlich den unabhängigen Futter-Qualitätscheck.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Ist eine offene Deklaration immer besser?

Sie kann die eingesetzten Zutaten transparenter machen. Nährstoffprofil, Verdaulichkeit, Qualitätskontrolle und Eignung des Endprodukts beweist sie allein jedoch nicht.

Ist viel Fleisch automatisch gut?

Nein. Entscheidend ist, ob das fertige Futter den Nährstoffbedarf der Zielgruppe zuverlässig deckt und in passender Energiemenge gefüttert wird.

Was bedeutet Rohasche?

Rohasche ist der mineralische Rückstand eines Analyseverfahrens. Die Angabe bedeutet nicht, dass dem Futter gewöhnliche Asche zugesetzt wurde.

Kann man aus der Deklaration Kohlenhydrate berechnen?

Man kann die NfE als Differenz schätzen. Das Ergebnis wird durch Rundungen und die verwendeten Analysegruppen beeinflusst und ist kein direkt gemessener Kohlenhydratwert.

Quellennachweis

Verwendete Primär- und Fachquellen

  1. Regulation (EC) No 767/2009 on the placing on the market and use of feedEuropäische Union · EUR-Lex

    Rechtsgrundlage für Kennzeichnung, Zusammensetzung, analytische Bestandteile und Werbeaussagen bei Futtermitteln.

  2. Understanding Pet Food LabelsFEDIAF

    Europäische Einordnung der Pflichtangaben auf Heimtierfutter.

  3. Global Nutrition Guidelines and Nutrition ToolkitWSAVA

    Hinweise zur Auswahl von Heimtierfutter und zu den Grenzen einer Zutatenlisten-Bewertung.

Quellen zuletzt geprüft am 26. Juli 2026. FEDIAF ist ein europäischer Branchenverband; diese institutionelle Rolle wird bei der Einordnung berücksichtigt.